Unser Turmix-Stabmixer gibt den Geist auf. Auf der Suche nach qualitativ hochstehendem Ersatz stossen wir auf leere Versprechungen (von Turmix) und Top-Alternativen aus dem Thurgau (Bamix), die aber einen beträchtlichen Makel haben.

Ach zum Teufel mit den guten Vorsätzen! Da wollen wir uns zum Wochenstart eine feine Suppe mit saisonalem Gemüse (das uns unser stylisher Calendarium Culinarium vorschlägt) kochen, und dann gibt der Stabmixer schon beim zweiten Schweizer Bio-Rüebli den Geist auf. Zack – und draussen ist die einstmals tifig drehende Mixer-Klinge. Nach vier treuen Jahren ist sie schlicht durchgedreht und aus dem ausgeleierten Plastikgehäuse rausgesprungen. Da nützt alles Fluchen nichts: Die Suppenpläne müssen wir beerdigen und uns mit angegrauter Festtagslasagne begnügen.

Unser alter Turmix-Stabmixer nach 4 Jahren im Einsatz (cc by Alexandra Tiefenbacher).

Der kaputte Stabmixer aber lässt uns keine Ruhe. Hergestellt hat ihn die Schweizer Firma Turmix. Weil wir den schönen Mixer nicht einfach so als Elektroschrott wegwerfen wollen, gehen wir ins Elektro-Fachgeschäft unten an der Ecke und fragen den Fachmann, was hier noch zu machen sei. Nicht viel, erklärt er offen und ehrlich. Für Turmix-Mixer gäbe es keine Ersatzteile. Stattdessen verkauft uns der charmante Herr einen neuen Mixer („super Qualität, grad Aktion“) der Schweizer Firma Bamix.

Prima, Problem gelöst. Doch ganz glauben wollen wir unserem Fachmann das mit den fehlenden Ersatzteilen nicht. Der wollte uns doch bloss einen neuen Stabmixer verkaufen (hat er ja geschafft) und war nicht ehrlich (klären wir gleich mal ab)!

Turmix braucht einen neuen Slogan, Bamix einen neuen CEO!

Zuhause klicken wir uns durch die Homepage von Turmix, der Herstellerfirma unseres alten Stabmixers. Dort verspricht Turmix in fetten Lettern, dass seine Geräte „nicht alt, sondern klassisch“ werden. Naja, vier Jahre sind nicht grad alt für einen Stabmixer. Und das einfache Plastikgewinde ist auch nicht grad ein Klassiker. Da muss es doch Ersatzteile geben!

Wir schicken Turmix ein paar detaillierte Fotos unseres Mixers und fragen, wies um mögliche Ersatzteile steht. Turmix antwortet postwendend. Ersatzteile gäbe es für diesen Mixer leider nicht, Pech gehabt. Wir haken nach, wies denn um das Turmix-Motto stehe, wegen Qualität und alt und Klassiker und so. Turmix meint, das käme doch alles viel zu teuer mit dem Reparieren und den Ersatzteillagern. Ein neues Gerät zu kaufen, sei für den Kunden viel günstiger. Schon, antworten wir, aber immer neue Geräte zu kaufen sei nicht so ökologisch. Darauf schreibt uns Turmix diese sprachlich nicht eben „klassischen“ Zeilen:

Wir verstehen die ökologischen Gründe der Kunden. Es hat leider nichts mit der Marke eines Gerätes zu tun, kleiner Geräte werden leider heutzutage nicht mehr Repariert.

Der Kunde währe nicht begeistert wenn er für eine Reparatur mehr bezahlen müsste als für ein neues Gerät. Das Geschäft der ganzen Elektronischen Haushaltsgeräte ist jedoch ein sehr schnelllebender Markt der sich stetig verbessert und neue Technologien auf den Markt bringt. Wir wollen und sehen uns auch verpflichtet unseren Kunden diesbezüglich gerecht zu werden und Ihnen auch die neusten Technologien an zu bieten.

Vielen Dank für Ihr Verständnis und die Kenntnisnahme

Geht gar nicht, diese Ausrede, finden wir, und schreiben gleich mal Bamix, der Herstellerfirma unseres neuen Stabmixers. Die Thurgauer Bude mit 50 Mitarbeitern produziert seit 60 Jahren nichts anderes als Stabmixer. Jedes Jahr macht sie mit ihren Top-Geräten Gewinn und exportiert ihren scharfen Klassiker in die ganze Welt (Fun-Fact: zweitgrösster Markt nach der Schweiz ist Japan).

Das Bamix-Sortiment: Ein Gerät, viele Farben, 150 bis 450 Franken. (Screenshot www.bamix.ch)

 150 bis 450 Franken kann man sich den thurgauischen Zauberstab in diversen Farben frei Haus liefern lassen. In unserem Mail an Bamix schildern wir die enttäuschende Erfahrung mit der gar nicht nachhaltigen Konkurrenz und fragen, ob denn sowas bei Bamix auch vorkommen könnte.

Guten Tag

Ich schreibe Ihnen, weil mein Stabmixer kaputt gegangen ist. Der Stabmixer ist aber nicht von Bamix, sondern von Turmix Als ich bei Turmix bzgl. Reparatur nachfragte, antworteten Sie mir: „kleinere Gerät werden leider heutzutage nicht mehr Repariert“.

Da ich es sinnlos finde, mir alle drei Jahre einen neuen Stabmixer zuzulegen, bin ich nun auf der Suche nach einem Hersteller, der hier eine andere Einstellung hat. Die Freundin meines Mitbewohners erzählte mir, dass sie ihren Bamix-Stabmixer von ihrer Grossmutter geerbt hat. Das Gerät sei nun bei ihr seit Jahren in Betrieb. Das freute mich sehr. Anscheinend setzt Bamix auf Langlebigkeit. Deshalb meine Frage: „Führt Bamix heutzutage noch Reparaturen durch, auch bei kleineren Geräten?“.

Vielen Dank für eine kurze Antwort und freundliche Grüsse

Bamix antwortet simpel und einfach:

Vielen Dank für Ihre Anfrage
Klar, wir reparieren auch noch 30-jährige Geräte, egal welches Modell.
Sie finden auf unserem E-Shop unsere verschiedensten Modelle.

Freundliche Grüsse / best regards

Das nennen wir Service! Zur Feier unseres neuen nachhaltigen Stabmixers schauen wir uns gleich noch diesen SRF-Beitrag über die Thurgauer Mixer-Meister an, und … Jesses! Vor lauter Graus bleibt uns glatt der frischgemixte Smoothie im Hals stecken! Im SRF-Beitrag erfahren wir ab Minute 4:30 Schreckliches. Die mechanischen Qualitäten unseres Mixers sind zwar absolut ausser Zweifel. Doch der menschliche Background unseres neuen Küchengeräts schockiert.

Denn die Ansichten des Thurgauer Bamix-CEO Erich Eigenmann sind mehr als nur eigen. Selbstbewusst hockt der Mixer-König in seinem Büro und erklärt den hohen Frauenanteil in seiner Werkabteilung: Dass Frauen die Mixer herstellen, erzählt Eigenmann, ergäbe sich „eigentlich aus der Arbeit alleine“. Zu erledigen seien mehrheitlich Hilfsarbeiten von ungelerntem Personal. Da dränge es sich einfach auf, dass das Frauen machen, weil das „eigentlich Arbeiten sind, die für einen Mann nicht geeignet sind.“

Wir würgen die feingemixten Smoothies herunter und schlucken leer. Was für ein *ixer! Da kommt uns gleich die Lust auf ein Glas Most – aus gründlich durch die Presse gewürgten Thurgauer Äpfeln! Da ist uns dann die Saison so was von Schnuppe! Prost Elektroschrott!