Im Dezember 2025 stationierte die Trump-Administration 3’000 ICE-Beamte in Minneapolis, einer Stadt so gross wie Zürich. Seither agiert die Migrationsbehörde mit voller Gewalt, kidnappt und mordet auf offener Strasse, um die migrationspolitischen Vorhaben der Regierung durchzusetzen. Nun antwortet Minneapolis auf den Terror der ICE-Behörden mit dem ersten Generalstreik der US-amerikanischen Geschichte seit 80 Jahren: Aus nachbarschaftlicher Selbsthilfe der Bevölkerung wird eine gezielte wirtschaftliche Blockade.
Die Forderungen des Generalstreiks lauteten, ICE solle den Bundesstaat Minnesota sofort verlassen, Renee Goods Mörder, der ICE-Beamte Jonathan Ross, müsse rechtliche Konsequenzen tragen, es dürfe keine weitere Finanzierung der ICE geben und Unternehmen in Minnesota sowie dem ganzen Land sollen ihre Geschäftsbeziehungen mit ICE einstellen und ICE den Zugang zu ihren Grundstücken verweigern.
Um diesen Forderungen Ausdruck zu verleihen, blieben am Freitag über 700 Geschäfte geschlossen, Tausende blieben der Arbeit fern und Zehntausende demonstrieren auf der Strasse. Eine breite Allianz aus Gewerkschaften, Kleinunternehmen, Geistlichen verschiedener Glaubensrichtungen und unzähligen Aktivist*innen aus der Zivilgesellschaft organisierten den Streik. Ganztags protestierten in der Hauptstadt Minneapolis Zehntausende bei minus zwanzig Grad auf den Strassen, organisierten zivile Schutz-Patrouillen in Nachbarschaften und legten den Flughafen lahm. Inspiriert durch den Streik kam es in 300 weiteren Städten zu Arbeitsniederlegungen und Demonstrationen.
Dadurch, dass die Arbeiter*innen nicht arbeiten, führen sie einen wirtschaftlichen Shut-Down herbei und entziehen dem Regime seine Grundlage.
Minneapolis entwickelte sich in den letzten Wochen zum Brennpunkt des Widerstands gegen Trumps Deportationspolitik. Unter dem Namen «Operation Metro Surge» verfolgt die ICE hier das erklärte Ziel, möglichst viele Migrant*innen ohne legalen Aufenthaltsstatus zu deportieren. Die Behörde tritt dabei quasi als Besatzungsmacht auf. Rassistische Angriffe auf Migrant*innen, Entführungen – mitunter von Kleinkindern mit US-Bürgerrecht –, massenhafte Verhaftungen von Aktivist*innen und weitere Menschenrechtsverletzungen prägten die letzten Wochen.
Der Generalstreik markiert nun eine strategische Neuausrichtung: Die Quartierbewohner*innen ergänzen ihre defensive Verteidigung mit offensiven Streiks. Diese Taktik setzt dort an, wo es dem Regierungssystem wehtut: beim Profit. Dadurch, dass die Arbeiter*innen nicht arbeiten, führen sie einen wirtschaftlichen Shut-Down herbei und entziehen dem Regime seine Grundlage. Durch einen radikalen Boykott aller ICE-Unterstützer*innen werden lokale Unternehmen dazu gezwungen, Stellung zu beziehen. Wer ICE Zugang zu seinem Grundstück gewährt, verliert mögliche Kundschaft und Angestellte. So erzeugen die Protestierenden realen wirtschaftlichen Druck und erzwingen Konzessionen. Bisher beschränkte sich der Widerstand der Bevölkerung meist auf defensive Taktiken. In den betroffenen Vierteln organisierten Bewohner*innen zivile Schutz-Patrouillen. Strassenzüge wurden nachts mit Wasser geflutet, damit die Abschiebe-Trucks auf dem Glatteis manövrierunfähig blieben – eine physische Barriere gegen die Deportation der Communitymitglieder.
Mit ihrem Widerstand gegen ICE zeigt die Bevölkerung von Minneapolis, wie sich eine politische und ökonomische Gegenmacht zum Trump-Regime entfachen lässt. Doch trotz der Massenproteste treibt ICE weiterhin sein Unwesen: Am 24. Januar, einen Tag nach dem Streik, erschossen Beamte mit Alex Pretti die nächste Person auf offener Strasse. Es ist ein Zeichen dafür, dass der Generalstreik erst der Anfang des Widerstands sein kann.
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