Die von der UBS übernommene Bank Credit Suisse soll jahrzehntelang Konten der Nazis während der Zeit des Zweiten Weltkriegs verheimlicht haben, zeigen neue Untersuchungen des US-Senats. Eine laufende Untersuchung habe Hinweise auf 890 Konten mit potenziellen Nazi-Verbindungen ergeben. Darunter befänden sich Konten des wirtschaftlichen Arms der Schutzstaffel (SS), die für zahlreiche Verbrechen der Nationalsozialisten verantwortlich gemacht wird, sowie einer deutschen Rüstungsfirma.
Laut US-Senat handelt es sich um 3.600 Dokumente und 40.000 Mikrofilme aus dem Zweiten Weltkrieg. Die Dokumente sollen die Verbindung der Schweizer Grossbank zu den Nazis beweisen, teilte ein Untersuchungskomitee des US-Senats mit. Die Credit Suisse habe diese Dokumente bei früheren Ermittlungen, die vor allem während der Neunzigerjahre stattfanden, nicht preisgegeben, hiess es weiter. Eines der Dokumente verweise auf eine Einheit, die geplündertes jüdisches Vermögen verkaufte.
Anfragen zu einem SS-Konto und zu Emil Bührle lehnte die UBS mit Verweis auf Privatarchiv und Bankgeheimnis ab.
Eine Liste des Simon-Wiesenthal-Zentrums, eine jüdische Menschenrechts- und Bildungsorganisation, führt 12’000 mutmassliche Nazis auf, die nach Argentinien geflüchtet sein sollen – viele davon mit Konten bei einer CS-Vorgängerbank. Ein Kritikpunkt sind die sogenannten «Rattenlinien», über die Nazis nach Argentinien flohen. Die Credit Suisse habe Büroräume an die argentinische Einwanderungsbehörde vermietet, von dem aus die Nazi-Fluchtrouten organisiert wurden.
Die UBS – wie andere Banken – glaubte, dieses Kapitel sei längst abgeschlossen: Die UBS zahlte im Jahr 1999 über eine Milliarden Dollar in einen Entschädigungsfonds für Holocaust‑Überlebende und ihre Nachkommen, um das Thema endgültig zu begraben. Damit, so das Kalkül, sollten sämtliche Anliegen aus jener Zeit erledigt sein.
Gegenüber der Nachrichtenagentur AFP erklärte die UBS, sie bemühe sich um Bereitstellung historischer Dokumente. Während sie bei der Credit-Suisse-Recherche kooperiert, bleibt ihr eigenes Archiv allerdings verschlossen: Ein Gesuch zu einem SS-Konto sowie Anfragen im Zuge geschichtswissenschaftlicher Forschung zu Emil Bührle lehnte die UBS mit Verweis auf Privatarchiv und Bankgeheimnis ab.
Der Abschlussbericht wird frühestens Ende Jahr erwartet. Er könnte sich aber verzögern, weil der argentinische Präsident Javier Milei den USA im Frühling neu auch Zugang zu argentinischen Dokumenten über die Finanzierung geheimer Fluchtrouten für NS-Funktionäre versprochen hat.
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