Credit Suisse verheim­lichte Nazi-Konten

Neue Unter­su­chungen des US-Senats zeigen, wie eng die Verbin­dung der Schweizer Banken zu den Nazis war. Die Credit Suisse hatte diese Infor­ma­tionen geheim gehalten – die UBS behauptet, nun Trans­pa­renz schaffen zu wollen, hält ihr eigenes Archiv aber weiter unter Verschluss. 
Die UBS dachte, das Thema Nazi-Verbindungen sei mit der Entschädigungszahlung an Holocaust-Überlebende in den 90ern endgültig erledigt. (Bild: Claudio Schwarz / Unsplash)

Die von der UBS über­nom­mene Bank Credit Suisse soll jahr­zehn­te­lang Konten der Nazis während der Zeit des Zweiten Welt­kriegs verheim­licht haben, zeigen neue Unter­su­chungen des US-Senats. Eine laufende Unter­su­chung habe Hinweise auf 890 Konten mit poten­zi­ellen Nazi-Verbin­dungen ergeben. Darunter befänden sich Konten des wirt­schaft­li­chen Arms der Schutz­staffel (SS), die für zahl­reiche Verbre­chen der Natio­nal­so­zia­li­sten verant­wort­lich gemacht wird, sowie einer deut­schen Rüstungsfirma.

Laut US-Senat handelt es sich um 3.600 Doku­mente und 40.000 Mikro­filme aus dem Zweiten Welt­krieg. Die Doku­mente sollen die Verbin­dung der Schweizer Gross­bank zu den Nazis beweisen, teilte ein Unter­su­chungs­ko­mitee des US-Senats mit. Die Credit Suisse habe diese Doku­mente bei früheren Ermitt­lungen, die vor allem während der Neun­zi­ger­jahre statt­fanden, nicht preis­ge­geben, hiess es weiter. Eines der Doku­mente verweise auf eine Einheit, die geplün­dertes jüdi­sches Vermögen verkaufte.

Anfragen zu einem SS-Konto und zu Emil Bührle lehnte die UBS mit Verweis auf Privat­ar­chiv und Bank­ge­heimnis ab.

Eine Liste des Simon-Wiesen­thal-Zentrums, eine jüdi­sche Menschen­rechts- und Bildungs­or­ga­ni­sa­tion, führt 12’000 mutmass­liche Nazis auf, die nach Argen­ti­nien geflüchtet sein sollen – viele davon mit Konten bei einer CS-Vorgän­ger­bank. Ein Kritik­punkt sind die soge­nannten «Ratten­li­nien», über die Nazis nach Argen­ti­nien flohen. Die Credit Suisse habe Büro­räume an die argen­ti­ni­sche Einwan­de­rungs­be­hörde vermietet, von dem aus die Nazi-Flucht­routen orga­ni­siert wurden.

Die UBS – wie andere Banken – glaubte, dieses Kapitel sei längst abge­schlossen: Die UBS zahlte im Jahr 1999 über eine Milli­arden Dollar in einen Entschä­di­gungs­fonds für Holocaust‑Überlebende und ihre Nach­kommen, um das Thema endgültig zu begraben. Damit, so das Kalkül, sollten sämt­liche Anliegen aus jener Zeit erle­digt sein.

Gegen­über der Nach­rich­ten­agentur AFP erklärte die UBS, sie bemühe sich um Bereit­stel­lung histo­ri­scher Doku­mente. Während sie bei der Credit-Suisse-Recherche koope­riert, bleibt ihr eigenes Archiv aller­dings verschlossen: Ein Gesuch zu einem SS-Konto sowie Anfragen im Zuge geschichts­wis­sen­schaft­li­cher Forschung zu Emil Bührle lehnte die UBS mit Verweis auf Privat­ar­chiv und Bank­ge­heimnis ab.

Der Abschluss­be­richt wird frühe­stens Ende Jahr erwartet. Er könnte sich aber verzö­gern, weil der argen­ti­ni­sche Präsi­dent Javier Milei den USA im Früh­ling neu auch Zugang zu argen­ti­ni­schen Doku­menten über die Finan­zie­rung geheimer Flucht­routen für NS-Funk­tio­näre verspro­chen hat.

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