Der Spätkapitalismus setzt uns allen zu: Der globale Reichtum konzentriert sich bei immer weniger Milliardär*innen, die Zahl der Kriege vervielfacht sich, der Alltag vieler Menschen ist von der Angst vom sozialen Abstieg geprägt. Und die Medien? Sie hätten die Verpflichtung, die Massen über die Missstände zu informieren, den Mächtigen mit scharfen Worten und gründlichen Recherchen auf die Finger zu schauen und ihnen die Stirn zu bieten. Nur leider gehören sie meist denselben.
Wer die Zeitungen, die Medienhäuser, die Plattformen besitzt, hat ungeheure Macht. Das wissen Blocher, Zuckerberg oder Musk schon längst.
Die Eigentumsverhältnisse der Schweizer Medienbranche offenbaren, wie weit rechts sie steht.
Was in den Medien steht, erzählt die Geschichte unserer Welt. Und es gibt nichts Gefährlicheres als ehrliche Geschichtenerzähler*innen. So werden Journalist*innen weltweit eingeschüchtert, überwacht, diffamiert, inhaftiert und sogar getötet. Israel hat im Gazastreifen über 240 Journalist*innen hingerichtet, in Venezuela, im Iran, auf den Philippinen, den USA oder in Russland werden Journalist*innen aufgrund ihrer Berichterstattung über regierungskritische Proteste festgenommen und teils gefoltert.
Die Eigentumsverhältnisse der Schweizer Medien offenbaren, wie weit rechts die Medienbranche steht: Alleine Christoph Blocher gehören 25 verschiedene Gratiszeitungen, Roger Köppel verfügt über die Weltwoche, Eric Gujer leitet seit über 10 Jahren die NZZ und Markus Somm führt mit dem Nebelspalter das älteste Satiremagazin der Welt. Auch die Köpfe hinter den Giganten TX Group oder Ringier sind alles andere als links. Obwohl die meisten Medien in den Händen von Liberal-Konservativen bis Rechtsextremen sind, hält sich der Mythos vom vermeintlich von Linken geprägten Journalismus. Er wird genutzt, um kritische Berichterstattung als ideologisch gefärbt abzuwerten.
Die Medienlandschaft steht unter ökonomischem Druck. Medienerzeugnisse werden schon lange als Konsumprodukte, nicht als Gemeingut verstanden. Und dieses Prinzip funktionierte, wenigstens für die Branche selbst, lange Zeit recht gut. Jahrzehntelang finanzierten sich Printmedien über Werbung, Inserate und Abos. Aber dann kam die Digitalisierung, die den Werbemarkt radikal veränderte und somit auch das Erfolgsgeschäft der Medien. Nun sacken Plattformen wie Google oder Meta die Gelder ein, die früher direkt in Redaktionen und Verlage flossen.
Die Zahl der Schweizer Journalist*innen ist in 10 Jahren auf etwa 10’000 geschrumpft.
Das Land mit Informationen zu versorgen, wurde also zu teuer. Und wenn das Geld nicht mehr reicht, heisst das: Entlassungen, Entlassungen, Entlassungen.
Alleine 2024 entliess Tamedia rund 300 Mitarbeitenden – es war die grösste Massenentlassung der Schweizer Mediengeschichte. 2025 stellte 20 Minuten seine Printausgabe ein – die bis dahin grösste und erfolgreichste Gratiszeitung der Schweiz – und strich weitere 80 Stellen. Die SRG kündigte kürzlich Sparpläne in Höhe von 270 Millionen Franken an: Bis 2029 will sie 900 Vollzeitstellen abbauen.
So ist die Zahl der Journalist*innen in der Schweiz in den letzten zehn Jahren um 25 Prozent auf etwa 10’000 geschrumpft. Mittlerweile kontrollieren die drei grössten Medienhäuser – TX Group, CH-Media und Ringier – 70 bis 90 Prozent des Marktes. Mit echter Pressevielfalt hat das natürlich nichts mehr zu tun.
Seit 2009 hat sich die Gesamtauflage der Schweizer Zeitungen halbiert. Redaktionen wurden zusammengelegt oder verschwanden gänzlich, Tausende Journalist*innen verloren ihre Jobs, Kultur‑, Wissenschafts‑, Auslandsressorts wurden abgebaut und auch für Lokaljournalismus reichte das Geld nicht mehr.
Im selben Jahr aber erschien ein heller Stern am dunklen Schweizer Medienhimmel: Das Onlinemagazin das Lamm. Der Name trügt, aber es hatte damals wie heute wirklich nichts mit dem Christentum zu tun. Das junge Medium beschäftigte sich avantgardistisch mit Nachhaltigkeitsthemen, lange bevor die Schweizer Gesellschaft deren Dringlichkeit erkannte.
Und heute, über 15 Jahre später, verpflichtet es sich noch immer den brennenden Themen der Zeit – und mag dieser auch noch immer voraus sein. Der beissende Spätkapitalismus, der Rechtsruck, die wachsende Macht der Milliardäre: Das ist, was die Journalist*innen beim kollektiv geführten Onlinemagazin das Lamm täglich umtreibt.
Seit über eineinhalb Dekaden funktioniert das Onlinemagazin ohne Verlag, ohne grosse Geldgeber*innen im Rücken, ohne Chefetage oder Profitlogik. Und natürlich geht es dem radikal linken und idealistischen Medium alles andere als blendend: Wer auf Werbeeinnahmen, Paywall, KI-News und Click-Bait verzichtet, hat ökonomisch wenig Stich. Dafür hält das Lamm, was der Journalismus eigentlich verspricht: Es schreibt, was ist. Ohne Scheu vor der Obrigkeit, ohne Hemmungen, den Mächtigen Paroli zu bieten, und ohne heimlich mit denjenigen verbandelt zu sein, denen wir eigentlich kritisch gegenüberstehen sollten – dafür immer mit dem Auftrag, für das gute Leben für alle zu schreiben.
Dieser Artikel erschien zuvor in der 1.-Mai-Zeitung 2026.
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