Wird die SVP zu 40 Prozent vom Staat finanziert?

Eine Masse an Kleinspender*innen finan­ziert die Linken, potente Finan­ciers die Rechten, Bundes­gelder gibt es für alle. Die neuen Zahlen zur Partei­en­fi­nan­zie­rung zeigen klare Muster. Doch sie sind zu unvoll­ständig, um Trans­pa­renz zu schaffen. 
Die neuen Zahlen zu den Einkommen der Bundeshausparteien zeigen: Ausgerechnet die SVP erhält verhältnismässig viel Geld vom Bund. (Bild: Oger/ @ogercartoon)

2,4 Millionen Franken. So viel kassierte die SVP 2024 vom Bund. Das wären 40 Prozent ihres gesamten Budgets. Lebt ausge­rechnet die Partei, die am laute­sten gegen Büro­kratie wettert, fast zur Hälfte vom Staat? Das zumin­dest vermit­teln die Einkom­mens­zahlen der Parteien im Bundes­haus 2024, gemäss dem offi­zi­ellen Regi­ster. Doch die Zahlen trügen.

Sogar die Eidge­nös­si­sche Finanz­kon­trolle, als zustän­dige Stelle, erklärte kürz­lich: Die Daten würden «kein Gesamt­bild» der Budgets der Parteien ermög­li­chen. Die einzige Erkenntnis: «Parteien finan­zieren sich unter­schied­lich.» Seit der Einfüh­rung der Regeln zur Trans­pa­renz bei der Poli­tik­fi­nan­zie­rung müssen die Parteien im Bundes­haus jähr­lich offen­legen, wie viel sie einge­nommen haben, und wer ihre Grossspender*innen sind.

Doch das Gesetz hat Löcher. Es gilt nur für die natio­nalen Partei­zen­tralen. Alles, das ausser­halb passiert, fällt nicht unter die Trans­pa­renz­re­geln: weder die Kanto­nal­sek­tionen, noch ausge­la­gerte Komi­tees. Die Mitte kennt beispiels­weise keine Mitglie­der­bei­träge auf natio­naler Ebene, statt­dessen «spenden» die Kanto­nal­sek­tionen nach Bern. 

Die Haupt­spon­soren: Banken und Versicherungen

Wie also finan­zierten sich die Parteien 2024? 8,2 Millionen nahm die SP 2024 ein – mehr als SVP und FDP zusammen. Doch nur drei Grossspender*innen tauchen bei der SP im Regi­ster auf: Krypto-Millionär Achim Schwander, die Raiff­eisen und die Mobi­liar. Der Rest? Über fünf Millionen an Klein­spenden unter dem Schwel­len­wert von 15’000 Franken, ab dem Spenden einzeln ausge­wiesen werden müssen. Im Durch­schnitt, so die SP auf Anfrage, waren es 69 Franken pro Spende.

Die SP lebt also von der Masse: Tausende kleine Spender*innen finan­zieren die Partei. Auch die Grünen finan­zieren sich ähnlich, ausser dass Sika-Erbin Carmita Burkard der Partei 400 Tausend Franken schenkte.

Ganz anders die bürger­li­chen Parteien: Gemessen an der Grösse im Parla­ment weisen sie weniger Einnahmen aus, dafür umso mehr Gross­spenden aus der Wirt­schaft. Bei der SVP stammen 80 Prozent der offen­ge­legten Spenden aus der Wirt­schaft, bei Mitte und GLP zwei Drittel.

Beson­ders spen­dabel waren Banken und Versi­che­rungen. Knapp drei Millionen oder 45 Prozent aller Partei­spenden kamen 2024 allein aus diesen zwei Bran­chen. Spit­zen­rei­terin war die UBS: Jeder siebte Spen­den­franken stammte von der Gross­bank. Aber auch die Phar­ma­branche, die Maschie­nen­in­du­strie und sogar die Swiss hat 2024 die Politik unter­stützt, jedoch ausschliess­lich das bürger­liche Lager.

Die Angaben bleiben aber unvoll­ständig. Denn was ausser­halb der Offen­le­gungs­pflichten passiert, wissen wir nicht.

Die versteckten Staatsgelder?

Doch ein Problem wäre lösbar. Die EFK räumt ein, dass das Bild auch unvoll­ständig sei, weil die Frak­ti­ons­bei­träge fehlen. 7,5 Millionen über­weist der Bund jähr­lich an die Frak­tionen für deren Sekre­ta­ri­ats­ko­sten. Diese Zahlen sind auf Anfrage bei den Parla­ments­dien­sten verfügbar.

Frak­ti­ons­bei­träge bestehen aus einem Grund­be­trag plus einem Beitrag pro Parlamentarier*in. Sie fliessen zwar an die Frak­tionen, lassen sich bei gemischten Frak­tionen aber über die Sitz­an­teile den Parteien zuordnen. Die EVP, als Juni­or­part­nerin der Mitte-Frak­tion, stellte ihren Frak­ti­ons­bei­trag direkt zur Verfü­gung. Das Resultat: Ein Viertel aller Partei­ein­nahmen stammt vom Bund. Im inter­na­tio­nalen Vergleich ist das nicht viel – wie der Vergleich zeigt. Bei der subven­ti­ons­kri­ti­schen SVP, der grössten Partei im Parla­ment, sind es statt­liche 41 Prozent.

Nähme man die Einkom­mens­zahlen für bare Münze, wäre die SP die reichste Partei der Schweiz. Und die SVP zu 40 Prozent staats­fi­nan­ziert. Doch das Gesetz ist zu schwach, um die wahren Längen der Spiesse zu zeigen. Die Zahlen, so wie sie jetzt sind, zeigen einzig: Die SP betreibt erfolg­reich Politik-Crowd­fun­ding während die bürger­li­chen Parteien mehr auf Gross­spenden von Banken, Versi­che­rungen und Wirt­schafts­ver­bänden setzen.

Das Bundesamt für Justiz evalu­iert nun die Trans­pa­renz­re­geln. Ob es eben­falls Hand­lungs­be­darf sieht, um die Aussa­ge­kraft der Trans­pa­renz­daten zu stärken, wird sich zeigen.


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