In der Nacht auf den 29. Oktober brannte das Hauptgebäude des Waffenherstellers Brügger & Thomet (B&T) in Thun nieder. Das Unternehmen vertreibt seine Waffen weltweit an Polizei, Militär, Behörden und den zivilen Fachhandel. Auch Schweizer Polizei- und Militärbehörden gehören zu den Abnehmern: Mindestens zehn Kantonspolizeien verwenden den Mehrzweckwerfer GL06, der unter anderem Gummigeschosse gegen die Bevölkerung abfeuert.
Auch Frankreich bezieht Waffen von B&T. Dort kommt der Schweizer Werfer unter dem Namen LBD 40 bei der Aufstandsbekämpfung zum Einsatz. Laut Le Monde ist er seit 2009 die am häufigsten verwendete Waffe der französischen Polizei bei Demonstrationen.
Gegen die jüngste Protestbewegung setzt die Polizei in Frankreich ebenfalls LBD-Werfer ein. Seit Wochen gehen Hunderttausende Menschen auf die Strasse, darunter viele junge Menschen, um beispielsweise gegen hohe Lebenshaltungskosten und Missstände im Bildungswesen zu protestieren. Die Schüler*innenproteste verbinden sich dabei mit Arbeitskämpfen und anderen sozialen Bewegungen. Bis zu 800’000 Personen beteiligten sich zeitweise an den Demonstrationen. Die Polizei reagierte mit massiver Gewalt und verletzte Hunderte Menschen. Mittlerweile schwappt die Protestbewegung auch auf andere europäische Länder über. In der Schweiz sind ebenfalls Protestaktionen angekündigt, etwa am 31. Oktober und 20. November.
Die Folgen des LBD-Einsatzes in Frankreich sind verheerend. Laut dem autonomen Medienportal Contre Attaque haben die Waffen in den vergangenen Jahren Hunderte Menschen verstümmelt. Während der Gelbwestenbewegung 2018 verloren 23 Menschen ein Auge, während der Revolte nach dem Tod von Nahel 2023 waren es acht. Im vergangenen Mai verloren zudem sechs Menschen während der Feierlichkeiten zum Sieg von PSG in der Champions League ein Auge. In den vergangenen Wochen kamen mindestens acht Jugendliche während der Jugendproteste hinzu.
LBD-Schüsse haben auch mehrfach Menschen getötet, etwa indem sie einen Herzstillstand auslösten – so im Juli 2023 in Marseille. Andere wurden schwer an den Geschlechtsorganen verletzt. Tausende weitere tragen körperliche und psychische Schäden davon, darunter Knochenbrüche, Hämatome und Traumata.
In der Nacht auf Donnerstag wurde nun das Unternehmen, das sein Geld mit der Herstellung von diesen Waffen verdient, zum ersten Mal selbst zum Ziel. Laut Contre Attaque ist der Sachschaden enorm, das Gebäude einsturzgefährdet. Verletzt wurde aber niemand. B&T teilte mit, dass das Hauptgebäude, der Laden und der Schiessstand bis auf Weiteres geschlossen bleiben. Die Umstände und Ursachen des Brandes seien Gegenstand laufender Ermittlungen, schreibt 24 Heures unter Berufung auf die örtliche Polizei.
Ein Bekennervideo legt nahe, dass es sich um eine gezielte Aktion in Solidarität mit der sozialen Bewegung rund um die Jugendproteste handelt. Es zeigt Ausschnitte von Polizeigewalt sowie mehrere gezündete Brandsätze, die gegen das Rüstungsunternehmen eingesetzt werden. Dazu erscheint die Botschaft «Swiss, France, Germany, in the street with Gen Z». Auch die Slogans «Fuck LBD» und «GL06» – eine andere Bezeichnung für dieselbe Waffe – sind zu sehen. Am Ende des Videos erscheint die Strohhut-Piratenflagge von One Piece, die für die Generation Z in den vergangenen Jahren zu einem weltweiten Symbol für Widerstand und den Kampf gegen Autoritarismus geworden ist.
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