«Opéra­tion Papyrus»: Der Kanton Neuchâtel ermög­licht einigen Sans-Papiers einen gere­gelten Aufenthaltsstatus

Menschen, die seit über 10 Jahren ohne Aufent­halts­be­wil­li­gung in der Schweiz leben, sollen im Kanton Neuchâtel im grossen Stil regu­la­ri­siert werden. Für die Betrof­fenen bedeutet das die Been­di­gung einer krimi­na­li­sierten Existenz. 
Die Regularisierung ermöglicht die Gleichbereichtigung von Sans-Papiers – und wurde im Kanton Neuchâtel mit grosser Mehrheit befürwortet.(Bild: Wiliam Ducret / Unsplash)

Das Kantons­par­la­ment in Neuchâtel beschloss im Februar 2024 mit Stimmen aller Parteien – bis auf die SVP – die gross­flä­chige Regu­la­ri­sie­rung von Sans Papiers. Ab dem 1. September 2026 tritt dieses Verfahren in Kraft. Betrof­fene, die seit mehr als 10 Jahren in der Schweiz leben, können nun verhält­nis­mässig unbü­ro­kra­tisch einen legalen Aufent­halts­status erlangen.

Sans Papiers leben in konstanter Krimi­na­li­sie­rung, ihre reine Existenz in der Schweiz ist strafbar. Betrof­fene Menschen sind vom Gesund­heits­sy­stem weit­ge­hend ausge­schlossen, können keine Verträge abschliessen und dürfen so beispiels­weise nicht legal arbeiten. Viele von ihnen müssen unter prekären Bedin­gungen in Asyl­la­gern leben. Personen, die den ille­galen Aufent­halt von Sans Papiers erleich­tern, etwa durch Bereit­stel­lung einer Wohnung, machen sich eben­falls strafbar.

Der Beschluss aus Neuchâtel orien­tiert sich an der «Opéra­tion Papyrus» aus dem Kanton Genf, der 2017 rund 2800 Sans Papiers regu­la­ri­sierte. Das Verfahren verspricht nicht nur einen gere­gelten Aufent­halts­status für die krimi­na­li­sierten Menschen, sondern auch weit­ge­hende Straf­frei­heit für deren Arbeitgeber*innen. Die Möglich­keit, sich durch dieses Verfahren einen gültigen Aufent­halt zu sichern, ist auf 15 Monate beschränkt. Danach gelten die selben Rege­lungen wie zuvor.

Der Kanton Neuchâtel nutzt den poli­ti­schen Spiel­raum, um, entgegen der restrik­tiven und sich weiter verschär­fenden Migra­ti­ons­po­litik des Bundes, die Lebens­rea­lität von Sans Papiers zu verbes­sern. In der Schweiz gibt es auf städ­ti­scher Ebene, nament­lich in Zürich und Genf, weitere Bestre­bungen in diese Rich­tung – beispiels­weise durch die «City Card».

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