Histo­ri­sche Proteste für ein neues Alba­nien und gegen den Ausver­kauf des Landes

Zehn­tau­sende gehen seit Wochen auf die Strasse. Zunächst rich­tete sich Alba­niens «Flamingo Revo­lu­tion» gegen den von Jared Kushner und Ivanka Trump geplanten Bau eines Luxus­res­sorts in einem Natur­schutz­ge­biet. Mitt­ler­weile hat die breite Bewe­gung die gesamte Regie­rung im Visier. 
Der Unmut der breiten Protestbewegung richtet sich neben ökologischen Folgen des Luxusbauprojektes vor allem gegen eine Politik der Oligarchie. (Bild: BvLM)

Bald zwei Wochen halten die histo­ri­schen Proteste in Alba­nien an. Zehn­tau­sende Albaner*innen fordern ein Jahr nach dem vierten Wahl­sieg des Premiers den Rück­tritt von Edi Rama. Was als Protest gegen ein Luxus­tou­ris­mus­pro­jekt an der südal­ba­ni­schen Küste begann, hat sich zu einer landes­weiten Bewe­gung gegen die Regie­rungs­mehr­heit und die etablierten Oppo­si­ti­ons­par­teien entwickelt. Damit macht die Bevöl­ke­rung ihre tiefe Unzu­frie­den­heit mit der poli­ti­schen Reprä­sen­ta­tion und dem sozi­öko­no­mi­schen Systems Alba­niens sichtbar.

Unmit­tel­barer Auslöser der Proteste waren die Luxus­bau­pläne von Ivanka Trump und ihrem Mann Jared Kushner auf der alba­ni­schen Insel Sazan sowie an der Küste von Zvërnec. Bereits Anfang des Jahres stellte Kushner am WEF in Davos ähnliche Luxus­pläne vor: den Umbau des palä­sti­nen­si­schen Gaza­strei­fens zu einem dubai­ähn­li­chen Wirtschaftszentrum.

Die nun von den Visionen Kush­ners betrof­fenen Natur­schutz­ge­biete an der Adria­küste zählen zu den ökolo­gisch bedeu­tend­sten Küsten­räumen des Mittel­meer­raums und behei­maten zahl­reiche seltene Pflanzen- und Tier­arten; neben Robben und Schild­kröten auch Flamingos. In den Sozialen Medien ist deshalb auch von der «Flamingo Revo­lu­tion» die Rede.

Der Unmut der Demon­strie­renden richtet sich nicht nur gegen die ökolo­gi­schen Folgen des Luxus­bau­pro­jekts. Laut Anwohner*innen käme der Bauplan einem Land­raub gleich, von dem inter­na­tio­nale Milliardär*inne sowie das poli­ti­sche Estab­lish­ment, die die Projekte ermög­li­chen, profi­tieren würden. Sie fürchten, dass ihr Land zuneh­mend den Oligarch*innen und dem Massen­tou­rismus geop­fert würde und die lokale Bevöl­ke­rung leer ausginge.

Obgleich Rama die Bewe­gung als auslän­di­sche Agenten und Bots zu diffa­mieren versuchte, halten die Proteste an. Sie haben eine unge­wöhn­lich breite Koali­tion zusam­men­ge­führt: Dazu gehören sowohl linke Orga­ni­sa­tionen, Klimaaktivist*innen, Feminist*innen und Mitglieder der LGBTQ+-Gemeinschaft als auch Vertreter*innen aller vier Reli­gi­ons­ge­mein­schaften – aber auch konser­va­tive, natio­na­li­sti­sche und rechts­ge­rich­tete Kräfte.

Die Bewe­gung bleibt derzeit führungslos und ist weit­ge­hend hori­zontal und parti­zi­pativ orga­ni­siert. Entschei­dungen treffen die Prote­stie­renden in tägli­chen Versamm­lungen gemeinsam. Diese Orga­ni­sa­ti­ons­struktur erschwert es dem Regime, die Proteste zu schwä­chen. Auf dem Boule­vard in Tirana und den Strassen im ganzen Land treffen sich die Demonstrant*innen für ein soli­da­ri­sches Mitein­ander. Jeden Abend reinigen sie gar die Strassen nach den Protests, bevor sie ausein­an­der­gehen und am näch­sten Tag wieder kommen.

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