Jean Ziegler, Kommu­nist, Sozio­loge und ehema­liger Natio­nalrat, ist im Alter von 92 Jahren verstorben

Jean Ziegler war einer der konse­quen­te­sten Kritiker des Schweizer Finanz­ka­pi­ta­lismus. Mit seinen system­kri­ti­schen Posi­tionen poli­ti­sierte er unzäh­lige Menschen – und eckte damit in der rechten Schweiz an. 
Jean Ziegler im von Studierenden besetzten Audimax der Universität Wien. (Bild: Manfred Werner / wikimedia commons)

Jean Ziegler wurde 1934 in Thun geboren. In seinem bewegten Leben enga­gierte sich Ziegler gegen den «globa­li­sierten Killer­ka­pi­ta­lismus» und den euro­päi­schen und US-ameri­ka­ni­schen Impe­ria­lismus. Dafür war er tätig als SP-Natio­nalrat, UNO-Sonder­be­richts­er­statter, Professor für Sozio­logie – und einst bekannt­lich auch als Chauf­feur von Che Guevara.

Ziegler befasste sich mit und unter­stützte diverse anti­im­pe­ria­li­sti­sche Befrei­ungs­be­we­gungen des Globalen Südens. Seine Unter­stüt­zung der kuba­ni­schen Revo­lu­tion, des liby­schen Staats­chef Gadaffi und der palä­sti­nen­si­schen Befrei­ungs­be­we­gung erntete ihm inter­na­tio­nale Kritik.

Auch als Autor war Ziegler tätig. In über zwanzig Büchern schrieb er mitunter über die Schweizer Profiteur*innen des Natio­nal­so­zia­lismus, den Welt­hunger oder das euro­päi­sche Grenz­re­gime. Seine Bücher gehören zu den wenigen kapi­ta­lis­mus­kri­ti­schen Texten, die in fast allen Schweizer Buch­hand­lungen vorliegen. Publi­ka­tionen wie «Wir lassen sie verhunger» oder «Der Hass auf den Westen» prägten die Poli­ti­sie­rung von unzäh­ligen Menschen.

Mit dem Tod Zieg­lers verliert die Schweizer Linke einen der letzten popu­lären Kritiker des Kapi­ta­lismus. Sein Leben und Wirken im Kampf für eine neue Welt wird nicht in Verges­sen­heit geraten.

Ziegler selbst schrieb: «Der Tod zwingt uns zur Bilanz. Seine einzige Über­win­dung ist die Über­zeu­gung, dass wir am Ende sagen können: Ich habe mit anderen zusammen wenig­stens so viel verän­dert, dass mehr Sinn in diese Welt gekommen ist, mehr Brüder­lich­keit und mehr Liebe. Nur das kann der Sinn des Lebens sein. Deshalb müssen wir handeln.»

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