Doxxing (auch Doxing) ist ein Slang-Begriff für die Veröffentlichung persönlicher Daten – wie etwa Adresse oder Arbeitsort – auf Internetforen wie Kiwi Farms oder bei Nazi-Outings. Personen, die Doxxing betreiben, recherchieren dabei mit unterschiedlichsten Werkzeugen und Strategien, wobei die Herangehensweise oftmals ähnlich ist wie bei der Polizei, dem Geheimdienst oder investigativen Journalist*innen.
In einer vergangenen Kolumne hatte ich dieses Vorgehen anhand eines Fallbeispiels – Elon Musk und seine skurrilen Fanboys – beschrieben. In diesem Text lege ich den Fokus etwas breiter: Welche Daten, die im Internet hinterlässt, können verwendet werden, um dich aufzuspüren?
Die Idee, dass jede*r mit deiner IP deinen genauen Standort erfährt, ist falsch.
Mein Ziel ist es dabei nicht, Angst zu schüren oder gar die Idee zu vermitteln, dass du nie irgendwas über dich teilen sollst. Die Auflistung soll dir helfen, informierte Entscheidungen über deinen digitalen Fussabdruck zu treffen – und bei Bedarf gewisse Einstriche in Kauf zu nehmen.
1) Schonmal gehört, nie verstanden: IP-Adresse
Die IP-Adresse ist die digitale Adresse deines Gerätes. Wenn du das Internet verwendest, hinterlässt du irgendwo deine IP-Adresse. In Filmen und Büchern ist die IP oftmals das fehlende Puzzleteil, um die dunkle Gestalt im Kapuzenpulli aufzuspüren. Doch verglichen mit der Paranoia die dazu herrscht, ist die IP-Adresse relativ nichtssagend. Polizei und Staat können zwar bei Netzanbietern (beispielsweise Swisscom oder Sunrise) anfragen, welche IP zu welchem Zeitpunkt deine war. Die Idee, dass jede*r mit deiner IP deinen genauen Standort erfährt, ist aber falsch. Gerade in der Schweiz sind IP-Geodaten sehr vage und meistens lässt sich nicht einmal die korrekte Stadt ermitteln.
2) Hast du sicher auch: E‑Mail
Instagram, Ricardo, LinkedIn und Spotify: Wahrscheinlich sind alle deine Accounts mit derselben Mailadresse registriert und somit verknüpft. Einige dieser Accounts lassen sich mithilfe verschiedener Tools anhand deiner E‑Mail-Adresse ausfindig machen. So könnten deine Adresse, Telefonnummer, dein Klarname oder gar die peinlichen Wattpad-Fanfics von 2016 ausfindig gemacht werden.
Wenn deine Mailadresse bis heute deinvorname.deinnachname.deinjahrgang@gmail.com ist, dann lässt sich dein Name noch einfacher ermitteln.
Globaler Rechtsruck, beissender Spätkapitalismus und die wachsende Macht der Milliardäre: Wir widmen uns den brennenden Themen unserer Zeit.
Aber nur mit deiner Hilfe.
3) «079 het sie gseit, du weisch immer no nüt het sie gseit»: Telefonnummern
Telefonnummern können ähnlich wie Mailadressen dazu dienen, Online-Accounts von dir miteinander zu verknüpfen. Dabei sind sie aber wesentlich unnützer. Mit deiner Nummer lassen sich aber meist dein WhatsApp, Telegram oder Signalaccount finden. Das kannst du aber in den Einstellungen deaktivieren.
Ausserdem ist in der Schweiz jede SIM-Karte und somit jede Telefonnummer mit einem Klarnamen verknüpft. Wenn Staat und Behörden deine Nummer haben, dann kennen sie auch deinen Namen.
Social-Media-Accounts an sich sind fantastische Quellen.
4) Alle vergessen oder überall dasselbe: Passwörter
Den meisten Firmen ist die Sicherheit deiner Daten egal. So sind die Datenbanken in denen deine persönlichen Informationen gespeichert werden, oft schlecht geschützt und werden desöfteren von Hacker*innen ergattert und geleakt. Neben Usernamen und Geburtsdatum sind auch Passwörter häufig Teil dieser Leaks. Wer dein Passwort und Benutzernamen hat, kann sich unter Umständen ganz normal in den geleakten Account einloggen und an mehr Infos kommen. Wenn du überall dasselbe Passwort benutzt, ist die Gefahr höher und lässt sich auf mehrere Accounts anwenden.
Doch die Wiederverwendung von Passwörtern kann auch umgekehrt zum Risiko werden. Wenn du im Netz verschiedene Persönlichkeiten hast, die aber ein und dasselbe Passwort teilen, lassen sich möglicherweise verschiedene Onlineidentitäten durch das geteilte Passwort miteinander verknüpfen.
5) @I_Love_DasLamm: Nutzernamen
Nutzernamen können in viele Suchtools eingegeben werden, was wiederum zu E‑Mail-Adressen oder den oben genannten anderen Daten führen kann. Auch sind Social-Media-Accounts an sich fantastische Quellen. Vielleicht hast du vor einem Jahr ein Foto deiner Schule auf Insta gepostet oder den Namen deines Heimatdorfs im Jahr 2016 mal auf X (vormals Twitter) erwähnt; mit genügend Kontext sind das hochbrisante Informationen.
6) Davon haben wir alle mindestens einen: Klarnamen
Warst du mal im örtlichen Turnverein? In der Schulzeitung erwähnt? Wer deinen Namen kennt, kann das wahrscheinlich über dich herausfinden. Oder warst du mal in einem Abstimmungskomitee für eine Jungpartei? Dann ist deine ganze Adresse wahrscheinlich auf dem Unterschriftenformular und im Netz auffindbar.
Hast du Fotos aus deiner Umgebung veröffentlicht, lässt sich dein Standort ermitteln.
In anderen Ländern sagt dein Name noch viel mehr über dich aus. In den USA sind beispielsweise die Wählerverzeichnisse öffentlich und oftmals online suchbar. Ein Name und eine Stadt können ausreichen, um deine Adresse und Parteiregistration zu finden
7) Eine zweite Adresse: W‑LAN-Namen
«Obi-WLAN-Kenobi», «Alice im Wland» oder «Funkstörung Deluxe» – vielleicht haben auch deine Nachbarn lustige Namen für ihr Wi-Fi gewählt. Der verständliche Impuls, die Kreativität des Familienvaters im Stockwerk über dir im Internet zu verbreiten, führt aber schnell zu deiner Adresse. Was nämlich auch viele technisch versierte Personen nicht wissen: Die meisten Wi-Fis sind in Standortdatenbanken auffindbar. Eine Instastory mit Screenshot der lustigen WLAN-Namen nach einem Umzug kann also ausreichen, um dich innerhalb Minuten auf eine genaue Strassenecke zu lokalisieren.
8) Keine gute Idee: Fotos
Hast du schon einmal die schöne Sonnenuntergangsästethik auf dem WG-Balkon fotografiert und ins Netz gestellt? Mit etwas Aufwand kann dieses Foto metergenau lokalisiert werden. Die Bäume, die Berge und die Häuser in der Nachbarschaft können genügen, um dein Haus und das genaue Stockwerk zu finden. Hast du noch mehr Fotos aus der Umgebung veröffentlicht, lässt sich dein Standort noch viel einfacher ermitteln.
Keine «One-Size-Fits-All»-Lösung
Diese Liste ist nicht abschliessend. Doch sie zeigt, was man alles mit deinen Daten über dich herausfinden kann – die ergatterten Informationen ergänzen sich dabei gegenseitig und können ein äusserst intimes Bild über dein Leben schaffen.
Ob und vor allem wie du deine Privatsphäre wahren kannst, ist sehr individuell und davon abhängig, welchen Risiken du dich aussetzt und wer an diesen Daten Interesse haben könnte.
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