Acht Wege, dich im Internet zu finden

Wer sich im Internet bewegt, hinter­lässt zwangs­läufig Spuren. Unsere Kolum­ni­stin maia arson crimew zeigt, wie sich unter­schied­liche Daten zu einem intimen Gesamt­bild ergänzen – und wie man sich dagegen schützen kann. Ein Listicle. 
Unsere Kolumnistin maia arson crimew erklärt, mit welchen digitalen Daten du am einfachsten gedoxxt werden kannst. (Bild: Luca Mondgenast)


Doxxing (auch Doxing) ist ein Slang-Begriff für die Veröf­fent­li­chung persön­li­cher Daten – wie etwa Adresse oder Arbeitsort – auf Inter­net­foren wie Kiwi Farms oder bei Nazi-Outings. Personen, die Doxxing betreiben, recher­chieren dabei mit unter­schied­lich­sten Werk­zeugen und Stra­te­gien, wobei die Heran­ge­hens­weise oftmals ähnlich ist wie bei der Polizei, dem Geheim­dienst oder inve­sti­ga­tiven Journalist*innen.

In einer vergan­genen Kolumne hatte ich dieses Vorgehen anhand eines Fall­bei­spiels – Elon Musk und seine skur­rilen Fanboys – beschrieben. In diesem Text lege ich den Fokus etwas breiter: Welche Daten, die im Internet hinter­lässt, können verwendet werden, um dich aufzuspüren?

Die Idee, dass jede*r mit deiner IP deinen genauen Standort erfährt, ist falsch.

Mein Ziel ist es dabei nicht, Angst zu schüren oder gar die Idee zu vermit­teln, dass du nie irgendwas über dich teilen sollst. Die Aufli­stung soll dir helfen, infor­mierte Entschei­dungen über deinen digi­talen Fuss­ab­druck zu treffen – und bei Bedarf gewisse Einstriche in Kauf zu nehmen.

1) Schonmal gehört, nie verstanden: IP-Adresse

Die IP-Adresse ist die digi­tale Adresse deines Gerätes. Wenn du das Internet verwen­dest, hinter­lässt du irgendwo deine IP-Adresse. In Filmen und Büchern ist die IP oftmals das fehlende Puzzle­teil, um die dunkle Gestalt im Kapu­zen­pulli aufzu­spüren. Doch vergli­chen mit der Para­noia die dazu herrscht, ist die IP-Adresse relativ nichts­sa­gend. Polizei und Staat können zwar bei Netz­an­bie­tern (beispiels­weise Swisscom oder Sunrise) anfragen, welche IP zu welchem Zeit­punkt deine war. Die Idee, dass jede*r mit deiner IP deinen genauen Standort erfährt, ist aber falsch. Gerade in der Schweiz sind IP-Geodaten sehr vage und meistens lässt sich nicht einmal die korrekte Stadt ermitteln.

2) Hast du sicher auch: E‑Mail

Insta­gram, Ricardo, LinkedIn und Spotify: Wahr­schein­lich sind alle deine Accounts mit derselben Mail­adresse regi­striert und somit verknüpft. Einige dieser Accounts lassen sich mithilfe verschie­dener Tools anhand deiner E‑Mail-Adresse ausfindig machen. So könnten deine Adresse, Tele­fon­nummer, dein Klar­name oder gar die pein­li­chen Wattpad-Fanfics von 2016 ausfindig gemacht werden.

Wenn deine Mail­adresse bis heute deinvorname.deinnachname.deinjahrgang@gmail.com ist, dann lässt sich dein Name noch einfa­cher ermitteln.

3) «079 het sie gseit, du weisch immer no nüt het sie gseit»: Telefonnummern

Tele­fon­num­mern können ähnlich wie Mail­adressen dazu dienen, Online-Accounts von dir mitein­ander zu verknüpfen. Dabei sind sie aber wesent­lich unnützer. Mit deiner Nummer lassen sich aber meist dein WhatsApp, Tele­gram oder Signal­ac­count finden. Das kannst du aber in den Einstel­lungen deaktivieren.

Ausserdem ist in der Schweiz jede SIM-Karte und somit jede Tele­fon­nummer mit einem Klar­namen verknüpft. Wenn Staat und Behörden deine Nummer haben, dann kennen sie auch deinen Namen.

Social-Media-Accounts an sich sind fanta­sti­sche Quellen.

4) Alle vergessen oder überall dasselbe: Passwörter

Den meisten Firmen ist die Sicher­heit deiner Daten egal. So sind die Daten­banken in denen deine persön­li­chen Infor­ma­tionen gespei­chert werden, oft schlecht geschützt und werden desöf­teren von Hacker*innen ergat­tert und geleakt. Neben User­namen und Geburts­datum sind auch Pass­wörter häufig Teil dieser Leaks. Wer dein Pass­wort und Benut­zer­namen hat, kann sich unter Umständen ganz normal in den gele­akten Account einloggen und an mehr Infos kommen. Wenn du überall dasselbe Pass­wort benutzt, ist die Gefahr höher und lässt sich auf mehrere Accounts anwenden.

Doch die Wieder­ver­wen­dung von Pass­wör­tern kann auch umge­kehrt zum Risiko werden. Wenn du im Netz verschie­dene Persön­lich­keiten hast, die aber ein und dasselbe Pass­wort teilen, lassen sich mögli­cher­weise verschie­dene Onlin­ei­den­ti­täten durch das geteilte Pass­wort mitein­ander verknüpfen.

5) @I_Love_DasLamm: Nutzernamen

Nutzer­namen können in viele Such­tools einge­geben werden, was wiederum zu E‑Mail-Adressen oder den oben genannten anderen Daten führen kann. Auch sind Social-Media-Accounts an sich fanta­sti­sche Quellen. Viel­leicht hast du vor einem Jahr ein Foto deiner Schule auf Insta gepo­stet oder den Namen deines Heimat­dorfs im Jahr 2016 mal auf X (vormals Twitter) erwähnt; mit genü­gend Kontext sind das hoch­bri­sante Informationen.

6) Davon haben wir alle minde­stens einen: Klarnamen

Warst du mal im örtli­chen Turn­verein? In der Schul­zei­tung erwähnt? Wer deinen Namen kennt, kann das wahr­schein­lich über dich heraus­finden. Oder warst du mal in einem Abstim­mungs­ko­mitee für eine Jung­partei? Dann ist deine ganze Adresse wahr­schein­lich auf dem Unter­schrif­ten­for­mular und im Netz auffindbar.

Hast du Fotos aus deiner Umge­bung veröf­fent­licht, lässt sich dein Standort ermitteln.

In anderen Ländern sagt dein Name noch viel mehr über dich aus. In den USA sind beispiels­weise die Wähler­ver­zeich­nisse öffent­lich und oftmals online suchbar. Ein Name und eine Stadt können ausrei­chen, um deine Adresse und Partei­re­gi­stra­tion zu finden

7) Eine zweite Adresse: W‑LAN-Namen

«Obi-WLAN-Kenobi», «Alice im Wland» oder «Funk­stö­rung Deluxe» – viel­leicht haben auch deine Nach­barn lustige Namen für ihr Wi-Fi gewählt. Der verständ­liche Impuls, die Krea­ti­vität des Fami­li­en­va­ters im Stock­werk über dir im Internet zu verbreiten, führt aber schnell zu deiner Adresse. Was nämlich auch viele tech­nisch versierte Personen nicht wissen: Die meisten Wi-Fis sind in Stand­ort­da­ten­banken auffindbar. Eine Instastory mit Screen­shot der lustigen WLAN-Namen nach einem Umzug kann also ausrei­chen, um dich inner­halb Minuten auf eine genaue Stras­sen­ecke zu lokalisieren.

8) Keine gute Idee: Fotos

Hast du schon einmal die schöne Sonnen­un­ter­gang­s­äst­ethik auf dem WG-Balkon foto­gra­fiert und ins Netz gestellt? Mit etwas Aufwand kann dieses Foto meter­genau loka­li­siert werden. Die Bäume, die Berge und die Häuser in der Nach­bar­schaft können genügen, um dein Haus und das genaue Stock­werk zu finden. Hast du noch mehr Fotos aus der Umge­bung veröf­fent­licht, lässt sich dein Standort noch viel einfa­cher ermitteln.

Keine «One-Size-Fits-All»-Lösung

Diese Liste ist nicht abschlies­send. Doch sie zeigt, was man alles mit deinen Daten über dich heraus­finden kann – die ergat­terten Infor­ma­tionen ergänzen sich dabei gegen­seitig und können ein äusserst intimes Bild über dein Leben schaffen.

Ob und vor allem wie du deine Privat­sphäre wahren kannst, ist sehr indi­vi­duell und davon abhängig, welchen Risiken du dich aussetzt und wer an diesen Daten Inter­esse haben könnte.

Es gibt keine «One-Size-Fits-All»-Lösung für die Privat­sphäre. Aber grund­sätz­lich gilt: Je weniger du von dir teilst, desto sicherer bist du.

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